Empörung allein stabilisiert die Demokratie nicht

Am 21. Februar 2026 versammelten sich Bürgerinnen und Bürger vor der Donnersberghalle zur Demonstration „Für Demokratie und Menschenrechte“. Anlass war der Besuch der AfD-Bundesvorsitzenden in der Region. Den gemeinsamen Auftritt hatten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener demokratischer Parteien drei Wochen zuvor bei einer Besprechung auf Einladung des Landrates beschlossen.

Unser Kreisvorsitzender Frank Burgdörfer sprach vor den rund 500 Teilnehmenden aller Generationen eher nachdenklich. Er machte deutlich, dass die CDU eindeutig für Demokratie und Rechtsstaat steht – und damit gegen die von Extremisten geprägte Politik der AfD. Gleichzeitig verwies er darauf, dass der Erfolg der AfD auch auf Fehler und Versäumnisse der demokratischen Parteien hindeutet. Empörung allein, so Burgdörfer, werde die AfD nicht schwächen, sondern ihr im Gegenteil sogar helfen.

Die Rede wurde mit viel Zustimmung aufgenommen, obwohl unter den Hunderten Teilnehmenden nur eine Handvoll Christdemokraten gewesen sein dürften. Seine Zweifel an der Wirkung selbstgerechter Moralisierungen führten allerdings erkennbar auch zu Irritationen.

Liebe Freundinnen und Freunde der Demokratie,

CDUler sind auf Demonstrationen eher ungewöhnlich. Wir bringen uns anders ein. Heute bin ich gern hier. Als Demokraten sehen wir vieles unterschiedlich. Aber wir stehen zusammen.

Wenn ich irgendwo im Land sage, dass ich aus dem Donnersbergkreis bei Kaiserslautern komme, sagen mir politisch Interessierte: Das ist doch das „blaue Loch“ im Südwesten. Es tut mir weh, dass meine Heimat so gesehen wird. Und dass die AfD hier so viel Geld und Prominenz einsetzt, weil sie ernsthaft glaubt, sich hier festsetzen zu können. Letztlich bin ich Kreisvorsitzender geworden, um mich genau dagegen zu stemmen.

Heute will ich ein paar Gedanken mit Euch teilen. Zwei Beobachtungen, ein paar Überlegungen und was jetzt zu tun ist.

Die erste Beobachtung

Die AfD macht nicht Politik wie die demokratischen Parteien. Sie lebt politisch davon, Ängste zu schüren und Menschen gegeneinander auszuspielen.

Die AfD will die Macht – möglichst ohne wirksame Kontrolle durch Opposition, Gerichte und Medien. Deshalb richtet sich ihre Politik gegen die freiheitliche Ordnung.

Wer meint, man könne diese Partei an der Regierung „einmal ausprobieren“, unterschätzt, wie ernst es der AfD mit ihrer Ideologie ist. Sie will alles oder nichts.

Die zweite Beobachtung

Viele derjenigen, die jetzt drüben in der Donnersberghalle sind, hatten den Eindruck, dass sich niemand für sie interessiert. Dass sie heute zu einer AfD-Veranstaltung gehen, zeigt aber: Sie interessieren sich für Politik. AfD-Sympathisanten zu sein verschafft ihnen das Gefühl von Bedeutung. Das dürfen wir nicht unterschätzen.

Jeder Vierte bei uns will die AfD wählen. Wir sollten uns ehrlich fragen, wann wir den Draht zu unserem Cousin, zur Vereinsfreundin, zum Nachbarn, zur Kollegin verloren haben – und wie wir wieder ins Gespräch kommen können.

Was wir besser machen können als bisher.

Viel zu oft lassen wir zu, dass es der AfD gelingt, unser Land als gescheitert hinzustellen – und zu überdecken, dass wir in einem großartigen Land leben. Und wie gut es ist, dass unsere Nachbarn in Europa Freunde und Mitstreiter sind.

Gerade deshalb muss die AfD unbedingt von der Macht ferngehalten werden. Sie würde sofort damit beginnen, alles in ihrem Sinn umzubauen. Sie will nicht Probleme lösen, sondern kompromisslos ihre Ideologie umsetzen.

Mich beschäftigt, dass wir der AfD zu oft auf den Leim gehen. Sie inszeniert sich als Opfer. Was völlig absurd wird, wenn sie offensichtlichen Blödsinn und Menschenverachtung als „mutig“ feiert. Wir liefern zu oft auf Knopfdruck, was ihr hilft, die Partei zusammen zu halten.

Viele Menschen, die die AfD tragen, geben an, dass sie das Vertrauen in die Demokratie verloren haben. Sie fühlen sich unverstanden, nicht ernst genommen, ignoriert. Natürlich ist es schwer erträglich, wenn jemand Extremisten unterstützt. Solche Menschen dort wegzuholen ist aber wichtiger als Moralpredigten.

Einen Menschen ernst zu nehmen heißt auch, wo nötig sachlich zu widersprechen: Diskriminierung ist nicht akzeptabel, Rassismus darf nie stehen bleiben.

Lasst uns die Demokratie ernst nehmen!

Lasst uns aufrechte Demokraten sein

Lasst uns diesen Menschen zeigen, dass ihre Sorgen politisch ausgenutzt werden. Das funktioniert aber nur dann, wenn wir Demokraten ordentliche Arbeit abliefern.

Lasst uns dem hasserfüllten Geschrei in der AfD Nüchternheit und respektvollen Umgang entgegensetzen.

Wir können nicht jeden Menschen erreichen, aber jeder gelungene Versuch ist ein Gewinn.

Gerade hier bei uns am Donnersberg, wo letztlich doch jeder fast jeden kennt, ist vieles möglich.