Du bist 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Winnweiler. Was bedeutet das, wofür bist du verantwortlich?
Also im Prinzip bin ich vor allem die Vertretung für Rudi Jacob, für den Bürgermeister. Wenn der nicht da ist oder verhindert ist, dann bin ich da, übernehme die Termine, übernehme die Verantwortung. Wenn zwei Termine zur selben Zeit stattfinden, übernehme ich einen davon. Das sind dann erst mal so eine Stunde oder zwei. Wenn er in Urlaub ist, bin ich bei der Verbandsgemeindeverwaltung.
Du sitzt dann in seinem Büro und verwaltest den Schreibtisch?
Ja. Aber nicht acht Stunden am Stück. Ich versuche präsent zu sein, so dass ich Ansprechpartner bin, auch für die Mitarbeiter, wenn jemand kommt oder am Telefon. Weil ich beruflich anderes mache, kann ich das dann nicht den ganzen Tag machen. Aber ich versuche möglichst viel präsent zu sein.
Es gibt noch zwei weitere Beigeordnete: Martina Lummel von den Freien Wählern und Christiane Demmerle von der CDU. Bespricht sich der Bürgermeister auch mit euch dreien? Macht man zusammen Pläne, holt er euren Rat ein?
Er fragt uns durchaus. Formale Sitzungen machen wir vier aber mit den Fraktionsvorsitzenden, wenn grundsätzliche Angelegenheiten besprochen werden sollen. Dann hat jeder den gleichen Informationsstand. Ich finde solche Besprechungen wichtig und nehme eigentlich an allen Sitzungen teil, übrigens auch an den Ausschusssitzungen, damit ich alle Informationen habe. Und oft hake ich auch im Einzelgespräch mit Rudi Jacob nochmal nach.
Machst Du das seit der letzten Kommunalwahl 2024?
Nein, das ist jetzt meine zweite Legislaturperiode als Beigeordnete. Im Verbandsgemeinderat bin ich schon seit 32 Jahren und fünf Jahre davor war ich hier bei uns in Langmeil im Ortsbeirat. Das waren so meine ersten Berührungspunkte mit politischer Arbeit.
Warum bist Du in der CDU?
Ich komme so ein bisschen tatsächlich aus der Tradition heraus. Also ich kenne eigentlich nichts anderes. Ich bin mit der CDU groß geworden. Mein Papa war schon immer sehr engagiert und in der CDU dabei – und damit dann eigentlich auch die ganze Familie. Bei uns gehört sich das fast so. Natürlich hat man dann auch seinen eigenen Kopf, trifft eigene Entscheidungen, aber die Grundlagen wurden schon in der Kindheit und Jugend gelegt.
Gibt es Sachen, bei denen du dich sehr heimisch fühlst in der CDU? Und andere, die dir eher fremd sind?
Natürlich bin ich auf Landesebene oder Bundesebene nicht immer mit allem einverstanden. Aber das kann bei einer großen Partei ja gar nicht anders sein. Aber hier vor Ort bei uns im Amt oder der Verbandsgemeinde habe ich Möglichkeiten, etwas zu verändern, mich einzubringen, was zu bewegen.
Gibt es Bereiche, in denen Dich die CDU enttäuscht?
Wir haben hier ja Landwirtschaft. Und früher war die CDU eigentlich sehr selbstverständlich die Partei für die Bauern. Das hat sich verändert. Aber es geht ja auch um das Große und Ganze, und das hängt oftmals auch von bestimmten Menschen ab und dann ist es ein paar Jahre so und ein paar Jahre so. Aber das Große und Ganze, das muss stimmen.
Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien in der Verbandsgemeinde Winnweiler?
Sehr gut. Aber das liegt schon auch am Bürgermeister. Rudi Jacob redet sehr viel auch im Vorfeld, er gibt sehr gute Informationen raus. Er redet mit uns, mit den Fraktionsvorsitzenden, mit den Ortsbürgermeistern: Wie seht ihr das? Wenn es wichtig ist, machen wir separate Sitzungen. Dann geht es auch um die Anliegen der einzelnen Fraktionen, ob man da zusammen in eine Richtung gehen kann. Auch die Ausschüsse bereiten vor. Und dann haben wir im Rat oft sehr weitgehende Einigkeit. Und dann hat man, so wie es eigentlich sein soll, das Beste rausgeholt für die Gemeinschaft, für die Bürger.
Ist das Dein Politikverständnis? Viel reden, Brücken bauen?
Ja! Man muss diskutieren und unterschiedliche Meinungen und – und im Endeffekt muss das Beste für die Gemeinschaft herauskommen, das muss immer im Vordergrund stehen. Natürlich kommt es auch vor, dass der eine oder die andere nicht mitkann, das ist ja auch ok so. Speziell bei uns in der CDU kommuniziert man, wenn man anderer Meinung ist und dann stimmt jeder so ab, wie er es will und für richtig hält. Jeder Einzelne ist gewählt worden und muss das selbst verantworten.
Was machst du noch so außer Politik?
Wir haben einen landwirtschaftlichen Betrieb, das braucht relativ viel Zeit, also wir machen sehr viel, haben ja auch noch ein bisschen was an Direktvermarktung. Für mich als Beigeordnete ist die Selbständigkeit aber durchaus ein Vorteil. Da kann ich zwischendurch immer mal eine, zwei Stunden meine Arbeit unterbrechen – und dann wird halt abends ein bisschen länger gearbeitet. Und wenn der Bürgermeister in Urlaub fährt, muss mein Mann hier einen Teil meiner Arbeit übernehmen. Es ist gut, dass ich die Zeit hin und her schieben kann.
Und hast Du irgendwelche Hobbys?
Es sind schon relativ viele Hobbys. Allerdings ist die Aufgabe als Beigeordnete schon ein bisschen zeitintensiver und ich nehme das sehr, sehr ernst. Aber wenn ich abends Sitzungen sind, dann muss ich da ja hin, dafür wurde ich gewählt. Dafür stehen Hobbys dann zurück. Wenn man Verantwortung bekommt, muss man ihr auch gerecht werden.
Was leidet darunter besonders?
Also ich bin immer sehr gern singen gegangen. Aber unser Chor in Gonbach ist Corona zum Opfer gefallen. Er war überaltert und hat sich dann aufgelöst. Aber ich schaue schon auch, dass ich für mich dann so ein bisschen Ausgleich finde zu der Arbeit, ja, ein bisschen Erholung dann auch.
Dieses Interview hat Frank Burgdörfer am 28. Juni 2026 im Hof des landwirtschaftlichen Betriebs von Elisabeth Franck in Langmeil geführt.

