Es gibt vieles, das wir tun können!

Zum Ende unseres Kreisparteitags haben wir sehr lebhaft über die Lage der CDU diskutiert, auch mit dem Bundestagsabgeordneten Florian Bilic und dem Landtagsabgeordneten Ralf Kretner. Es gab viel Unzufriedenheit, viel Ärger, auch Nachdenklichkeit. Und während der stellvertretende Kreisvorsitzende Jörg Kreiselmayer moderiert hat, hat unser Kreisvorsitzender Frank Burgdörfer intensiv zugehört und zum Abschied sinngemäß das Folgende gesagt:


„Ich habe heute Abend intensiv zugehört. Und ich möchte fünf Gedanken mit euch teilen. Fünf Punkte, bei denen wir als CDU zurzeit kein gutes Bild abgeben – bei denen wir aber auch deutlich besser werden können.

Professionalität. Jahrzehntelang habe ich immer wieder gehört: Ich bin politisch nicht unbedingt mit der CDU einverstanden. Aber ich kann gut schlafen, wenn jemand von Euch Verantwortung trägt. Ihr könnt Euer Geschäft. Ihr kümmert Euch. Ihr habt die Dinge im Griff. Diese handwerkliche Professionalität zeigen wir heute zu oft nicht. Und zugegebenermaßen ist es in schwierigen Zeiten auch besonders schwer, gut genug zu sein. Aber wir müssen unseren Ansprüchen gerecht werden, immer und überall, im Bund und in den Kommunen. Wer Verantwortung übernimmt, muss sein Handwerk beherrschen.

Anstand. Wir überschätzen, wie viel Kredit wir bei den Menschen tatsächlich noch haben. Vertrauen und Glaubwürdigkeit stehen uns nicht einfach zu, weil wir die CDU sind. Wir müssen sie uns verdienen. Und es passiert zu viel aus unseren eigenen Reihen, was dieses Vertrauen beschädigt. Das müssen wir abstellen – und zwar schleunigst. Wenn wir bestimmte Maßstäbe an andere anlegen, müssen wir uns auch selbst daran halten.

Verantwortlichkeit. Es ist nicht egal, wie wir uns verhalten und welche Entscheidungen wir mittragen. Es reicht nicht, hinterher alles besser gewusst zu haben. Verantwortlichkeit heißt: vorher genau hinschauen. Was entscheiden wir? Welche Folgen hat das? Wem übertragen wir Verantwortung? Ist jemand einer Aufgabe gewachsen? Und halten wir uns selbst an die Werte und Maßstäbe, von denen wir immer reden? Jede Entscheidung, die wir mittragen, ist auch unsere Entscheidung. Wir haben Verantwortung. Und ich glaube, da sind wir zu müde geworden.

Argumentieren. Wir sind argumentativ faul geworden. Wir gehen zu oft davon aus, seit Jahrzehnten die richtigen Antworten zu kennen – und erwarten irgendwie, dass alle anderen das auch wissen. Politischen Auseinandersetzungen begegnen wir dann zu oft rituell, ideologisch oder, noch schlimmer, moralisch. Stattdessen müssen wir wieder erklären und argumentieren. Wir müssen uns mit dem beschäftigen, was andere tatsächlich sagen. Und wenn wir das ernst meinen, müssen wir auch unsere eigenen Überzeugungen immer wieder überprüfen. Vielleicht liegen wir falsch. Vielleicht müssen wir etwas korrigieren. Vielleicht können wir etwas lernen. Wer andere überzeugen will, muss auch bereit sein, sich selbst überzeugen zu lassen.

Zuhören. Wir sind im Umgang mit Menschen zu lieblos geworden. Wir kanzeln zu schnell ab, was jemand sagt, statt erst einmal zuzuhören: Was sagt jemand eigentlich? Warum sagt jemand das? Und was können wir darauf antworten? Dieses Problem bestand schon lange. Wir haben seit Jahrzehnten zugeschaut, wie Menschen sich von der Politik abgewandt haben. Sie wurden einfach passiv. Und wir haben das hingenommen. Dann kamen Leute, von denen sich diese Menschen gesehen und ernst genommen fühlen, die ihnen erzählen, was sie hören wollen. So hat die AfD Menschen eingesammelt, ihnen das Gefühl gegeben, relevant zu sein – und aus den vermeintlich Politikuninteressierten
eine politische Macht gemacht. Wir müssen deshalb wieder fleißiger werden, interessierter und offener. Den Kontakt suchen. Den Dialog suchen. Und zeigen, dass wir es ernst meinen.

Ich danke Euch allen für einen Abend, an dem deutlich geworden ist woran wir arbeiten müssen und können. Schön, dass ihr da wart. Bis bald.“